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Sozialministerin Stefanie Drese zeichnete langjährig aktive seniorTrainerinnen mit dem Ehrenamts-Diplom aus.

20 Jahre seniorTrainer-Ausbildung in MV
Festlicher Jubiläums-Empfang in Schwerin

Im Anschluss an die Fachtagung wurde das 20-jährige Jubiläum des Landesprojektes „Weiterbildung älterer Menschen für bürgerschaftliches Engagement als seniorTrainerin“ gewürdigt. Förderer und Unterstützer des erfolgreichen Projektes gratulierten und dankten den rund 800 seniorTrainerinnen und seniorTrainern, die seit Programmstart ausgebildet wurden, für ihr Engagement. Rund 100 der Ehrenamtlichen nahmen an der Feierstunde teil. Sozialministerin Stefanie Drese zeichnete sechs langjährig aktive seniorTrainerinnen mit dem Ehrenamts-Diplom aus.

Helga Bomplitz, Vorsitzende des Landesseniorenringes M-V e.V., dankte allen seniorTrainerinnen und seniorTrainern sowie den Agentur-Leiterinnen für ihre Arbeit. Zugleich appellierte sie an Landtag und Landesregierung: „Mecklenburg-Vorpommern braucht dringend einen Neustart für das zivilgesellschaftliche Engagement! Wir fordern eine Engagementpolitik, die ein selbstbestimmtes Engagement ermöglicht!“

seniorTrainer haben ein unschätzbares Potenzial – sie haben oft Zeit und setzen diese für unsere Gemeinschaft ein“, sagte Sozialministerin Stefanie Drese in ihrem Grußwort. Auch sie dankte allen Engagierten für ihren Einsatz. Das erklärte Ziel der Landesregierung sei es, das ehrenamtliche Engagement weiterzuentwickeln und die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern.

„Bürgerschaftliches Engagement wird gerade in Zeiten gesellschaftlicher Krisen immer wichtiger“, erklärte Schwerins Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier. Es stärke nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern fördere auch selbstbestimmtes Handeln.

Die seniorenpolitischen Sprecherinnen der SPD- sowie der Linksfraktion im Landtag, Christine Klingohr und Elke-Annette Schmidt, schlossen sich dem Dank und den Glückwünschen an. „Eine lebendige Demokratie braucht aktive Bürgerinnen und Bürger“, waren sich beide Landtagsabgeordnete einig.

Den Reigen der Gratulanten beschloss Bernd Rosenheinrich, Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirates. Er sprach wohl allen Anwesenden aus dem Herzen: „Der Wunsch nach lebenslangem Lernen endet nicht mit dem Eintritt ins Rentenalter!“

Hintergrund

Landesprojekt „Weiterbildung älterer Menschen für bürgerschaftliches Engagement als seniorTrainerin sowie deren fachliche Begleitung“
Menschen, die nach Ausscheiden aus dem Berufsleben weiterhin aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich ehrenamtlich engagieren möchten, können sich zur seniorTrainerin bzw. zum seniorTrainer ausbilden lassen. In einem Grundkurs werden sie auf ihr künftiges Engagement vorbereitet. Der Grundkurs endet mit einem Zertifikat und wird ergänzt durch landesweite Fachtagungen zu aktuellen Themen. Seit Programmstart 2002 konnten 800 seniorTrainerinnen und -Trainer ausgebildet werden. Gefördert wird das Projekt unter der Trägerschaft des Landesrings M-V des Deutschen Seniorenringes e. V durch das Sozialministerium M-V.


„Für eine starke Zivilgesellschaft“
Fachtagung der seniorTrainerinnen und seniorTrainer zum Thema

„Engagement und Demokratie“

Nichts Geringeres als die Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements stand im Fokus der Fachtagung, zu der der Landesseniorenring M-V rund 100 seniorTrainerinnen und seniorTrainer am 27. Oktober nach Schwerin ins Ludwig-Bölkow-Haus der IHK eingeladen hatte. Schwerpunkte der Fachvorträge und der Diskussion waren die Forderungen nach einer Landes-Engagementstrategie und nach Entbürokratisierung der Förderpraxis im Ehrenamt.

Helga Bomplitz, Vorsitzende des Landesringes M-V des Deutschen Seniorenringes e.V., bekräftigte diese Forderung und appellierte an Landtag und Landesregierung: „Sonntagsreden helfen nicht weiter – was wir brauchen, ist eine Landes-Engagementstrategie.“ Gerade angesichts des Erstarkens rechtspopulistischer Kräfte brauche es eine starke Zivilgesellschaft.

„Wir Politikerinnen und Politiker sind besser als unser Ruf“, entgegnete Ariane Fäscher. Es sei viel passiert, sagte die Bundestagsabgeordnete und verwies auf die Gründung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, die ihren Sitz in Neustrelitz hat. Angesichts der aktuellen Krisen seien aber andere Rahmenbedingungen erforderlich. „Engagement findet vor Ort statt, in den Städten und Gemeinden“ – dies müsse mitgedacht werden, wenn über eine nationale Engagementstrategie nachgedacht werde.

Dr. Holger Krimmer lenkte das Augenmerk der Tagungsgäste in die Zukunft. „Was müssen wir heute tun, um zukunftsfähig zu sein?“, fragte der Geschäftsführer der ZiviZ gGmbH. Zwar steige die Engagement-Quote, zugleich aber sinke die Bereitschaft zur Übernahme von Führungsaufgaben. Hinzu kämen der Bevölkerungsrückgang, die Überalterung der Gesellschaft und die wachsende soziale Ungleichheit. Dies alles stelle das Ehrenamt vor große Herausforderungen.

Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, sieht die Gründung der Stiftung auch als ein Beispiel dafür, dass „Forderungen und politisches Handeln auch Ergebnisse zeigen“. Die Stiftung biete Service und Beratung, beispielsweise helfe sie bei der Beantragung von Projektförderung, organisiere Seminare und Fachtagungen. „Wir wollen euch helfen, weiter zu helfen“, brachte Holze das Anliegen der Stiftung auf den Punkt.

„Ehrenamt ist nicht nur in Krisenzeiten wichtig“, betonte Loring Sittler, Berater für Fragen des gesellschaftlichen Wandels. Er kritisierte, dass bürgerschaftliches Engagement vorrangig auf die Lösung sozialer Probleme reduziert werde, die die Politik nicht löse. „Wer bürgerschaftliches Engagement sagt, muss gesellschaftliches Engagement meinen!“ Sein Appell an die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer: „Empört euch! Engagiert euch!“

Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, rät bei aller Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation zu mehr Gelassenheit. „Der Demokratie als Regierungsform stimmen 88 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zu“, betonte er. Es brauche aber mehr Bürger, die das demokratische System nicht nur akzeptieren, sondern mitgestalten wollen und können. Hierfür sehe sich die Landeszentrale als Service- und Beratungsstelle.

Bildquelle: Seniorenbüro Schwerin


Alter schützt vor TORheit nicht (Claus Oellerking)

„Gefühlte Wahrheiten und belegbare Zahlen sind zwei verschiedene Dinge, das gilt auch für die Digitalisierung in MV und die Nutzung digitaler Medien durch ältere Menschen.“, so Helga Bomplitz *Vorsitzende des Landesringes M-V des Deutschen Seniorenringes e.V. zur Eröffnung der Fachtagung der „seniorTrainer“. Die rund 90 Teilnehmenden im Alter zwischen 55 und 80 Jahren sind aus allen Region Mecklenburg-Vorpommerns nach Schwerin gekommen und wollen wissen, welche Chancen und Herausforderungen die Digitalisierung im Alltag mit sich bringt.
Und die Referenten legen viele Zahlen auf den Tisch. Die Bandbreite der digitalen Möglichkeiten, die von den Tagungsgästen genutzt werden, ist groß: Einkaufen bei Online-Anbietern, Buchung von Fahrkarten und Reisen, die Suche nach Informationen und die Kommunikation in Sozialen Netzwerken und mit Hilfe von Messenger-Diensten sind für sie nichts besonders. „Wir haben auch gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Tablet-PCs, die für Menschen mit Sehbinderungen als Lesehilfen dienen und Senioren helfen, ihre Fingerfertigkeit zu erhalten, indem sie sich am Bildschirm mit Computerspielen beschäftigen.“, sagt Stephan Seiffert von der „Stiftung Digitale Chancen“.
„In MV nutzen 74% der Menschen das Internet täglich. Das ist etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 84%.“, so Nicole Opiela vom Kompetenzzentrum Öffentliche IT des Frauenhofer-Instituts. „Fast die Hälfte der Befragten sucht online den Kontakt zu Behörden und öffentlicher Verwaltung, aber nur jeder Sechste versendet zum Beispiel ausgefüllte Formulare elektronisch.“ – „Da ist in den Verwaltungen sicher noch Luft nach oben.“, meint der Schweriner Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier. Bis 2022 sollen Bund, Länder und die Kommunen alle Verwaltungsleistungen in Deutschland über Verwaltungsportale auch digital anbieten und diese Portale zu einem Verbund verknüpfen. Das fordert das Onlinezugangsgesetz (OZG) von 2017. „Für uns ist das eine Herkulesaufgabe, der wir uns natürlich stellen.“ so BadenschierDrei Verwaltungsdienstleistungen können in Schwerin bisher vollständig digital erledigt werden: Anmelden einer Veranstaltung, Anmelden der Hundesteuer und der Anwohnerparkausweis.
Wer digital dabei sein möchte, braucht einen Zugang zum Internet und muss die Bedienung von Smartphone, Tablet und Co. erlernen. „Das ist nicht für jeden gegeben.“, stellt Harald Seiler, einer der seniorTrainer, fest. „Unabhängig davon, ob das Internet in den Dörfern schnell oder langsam ist, es kann nicht jeder 50 € oder 60 € im Monat dafür auf den Tisch legen oder einen Hausanschluss für 900 € bis 1.300 € bezahlen.“ – „Silver-Surfer“, nennen sich ehrenamtliche seniorTrainer, die ältere Menschen beim Erlernen der Technik unterstützen. Sie arbeiten mit kleinen Gruppen oder auch mal mit Einzelpersonen. Das kostet Geld für Räume, Technik, Internetnutzung und wie so oft, ist die Finanzierung solch ehrenamtlichen Handelns nicht zuverlässig abgesichert. Gerade im ländlichen Bereich, wo der Online-Handel oder der Einsatz von „Tele-Notärzten“ besonders sinnvoll sei, könnte es also für manche Menschen schwierig werden. Das wäre in unserem Flächenstaat mit einem hohen Anteil älterer Menschen sicher keine gute Entwicklung.
Mindestens eines wurde klar: Alter schützt nicht vor Neugierde, Lernbereitschaft und Begeisterung für die digitalen Möglichkeiten. Schutz der Daten ist ein Aspekt, der dabei immer eine wichtige Rolle spielt. Und so nutzen auch manche der Senioren das TOR-Netzwerk – The Onion Router – als Zugang zu Internet. Mit dem TOR-Browser gibt es eine Möglichkeit im Internet anonym zu surfen und somit den Schutz der Privatsphäre und der Daten zu erhöhen. In jedem Alter.


Qualifizierung zum seniorTrainer

Dem bürgerschaftlichen Engagement kommt angesichts des demografischen Wandels und den damit verbundenen Herausforderungen eine Schlüsselrolle zu.

Das wissen auch die Seniorinnen und Senioren, die nach der Qualifizierung im Rahmen des Landesprojektes „Weiterbildung älterer Menschen für bürgerschaftliches Engagement als seniorTrainer“ am 14.11.2019 im Beisein des Stadtpräsidenten unserer Landeshauptstadt ihr Zertifikat entgegennehmen konnten. Mit neuen Ideen und Projekten werden sie künftig in unterschiedlichen Regionen unseres Bundeslandes aktiv werden. Zielgruppen ihres Engagements sind u.a. Kinder- und Jugendliche, ältere Menschen auch junge Familien freuen sich über die Unterstützung der „Familienpaten“.

Unter der Trägerschaft des Landesringes M/V des Deutschen Seniorenringes e.V., gefördert durch das Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung, findet auch im kommenden Jahr wieder ein neuntägiger Grundkurs zur Qualifizierung zum seniorTrainer statt.

Weitere Informationen unter http://www.seniorenring-mv.de oder auch telefonisch unter: 0385 5574962.