Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement wurden seniorTrainerinnen mit der Goldenen Ehrenamtskarte ausgezeichnet. Foto: Claudia Richter

Senioren-Fachtagung zur Neuausrichtung der Engagement-Politik

Bei der Fachtagung des Landes-Seniorenrings am 6. November 2025 in Schwerin ging es um „Aktuelles aus Engagementpolitik und -debatte“. Die rund 100 seniorTrainerinnen und seniorTrainer aus ganz Mecklenburg-Vorpommern verfolgten nicht nur aufmerksam die Vorträge der Referentinnen und Referenten, sondern brachten sich auch gewohnt engagiert und fachkundig in die Debatte ein.

In ihrem Eröffnungs-Statement setzte sich Helga Bomplitz, Vorsitzende des Landesrings M-V des Deutschen Seniorenrings e. V., kritisch mit der Position der neuen Bundesregierung zum bürgerschaftlichen Engagement auseinander. Das Bürger-Engagement sei jetzt dem Ausschuss „Sport und Ehrenamt“ zugeordnet. Dadurch habe das Thema an parlamentarischer Relevanz verloren, da es als Anhängsel des Sports daherkomme. Der Ersatz der Formulierung „Bürgerschaftliches Engagement“ durch den Begriff „Ehrenamt“ sei ein Rückschritt. „Das Wort Ehrenamt deckt die Vielfalt und Breite des bürgerschaftlichen Engagements nicht ab“, betonte Bomplitz. Auch solle man überlegen, ob der Schaden durch den Wegfall finanzieller Unterstützung nicht größer sei als die geplanten Einsparungen.

Sozialministerin Stefanie Drese betonte in ihrem Grußwort den erforderlichen Dreiklang von Bund, Ländern und Kommunen. Das Land M-V sei bei der Förderung des Ehrenamts auf einem guten Weg. Unter dem Motto „Gemeinsam den Wandel gestalten“ sei die Landes-Engagementstrategie auf der Zielgeraden und soll Anfang 2026 im Landtag verabschiedet werden. „Es geht um die gemeinsame Gestaltung einer solidarischen und vielfältigen Gesellschaft, an der jeder teilhaben kann“, betonte Drese. Um neue Engagierte zu gewinnen und den Zugang zu Beteiligungsmöglichkeiten barrierearm und regional unabhängig zu ermöglichen, plane das Land beispielsweise ein landesweites digitales Engagement-Portal.

„Sorgende Gemeinschafen leben vom Mitmachen“, erklärte Christine Klingohr, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. Was die seniorTrainerinnen und -Trainer Tag für Tag leisteten, sei überaus wertvoll und unverzichtbar. Ehrenamtliches Engagement sorge für Lebensfreude, Solidarität und Gemeinschaft. Zugleich sei Ehrenamt kein Lückenfüller für Versäumnisse der öffentlichen Daseinsfürsorge. 

„Sie leben vor, wie Ehrenamt Wirklichkeit formt“, lobte auch Dr. Daniel Trepsdorf von der Landtagsfraktion DIE LINKE und fügte hinzu: „Sie sind die Brücke zur jüngeren Generation!“ Es sei wichtig, bei der Gestaltung des Zusammenlebens in den Städten und Gemeinden die Generationen zusammenzuführen.

„Es geht immer um Menschen“, sagte Dr. Mareike Alscher, die dem Plenum landesspezifische Engagement-Merkmale vorstellte. So sei ein deutlicher Anstieg der Engagement-Quote zwischen 1990 (25 Prozent) und 2019 (38 Prozent) festzustellen. Als Herausforderungen nannte sie die Gewinnung neuer Engagierter, die Verbesserung der Arbeitsstrukturen in den Organisationen, die Finanzierung der Arbeit der Engagierten und eine verbesserte Wahrnehmung des ehrenamtlichen Engagements. Zudem sei es wichtig, das Bewusstsein für generationenübergreifendes Engagement zu stärken.

„Diese Demokratie lebt vom ehrenamtlichen Engagement“, zeigte sich auch Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung M-V, überzeugt. Er betonte die Wichtigkeit der politischen Bildung. Dabei gehe es nicht um die Vermittlung von parteipolitischen Positionen, sondern um Basiswissen über das Funktionieren unseres politischen Systems. „Ziel ist der mündige, urteils- und kritikfähige, politisch handlungsfähige Bürger“, stellte er klar. Nichtsdestotrotz halte er es für wichtig, sich auch in Parteien und Bürgerinitiativen zu engagieren. Schließlich komme laut Artikel 21 Grundgesetz den Parteien eine zentrale Rolle bei der politischen Willensbildung zu. 

Jan Holze, Vorstand der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, erläuterte die neuen Begrifflichkeiten der Bundesregierung. „Von der Engagementstrategie zum Zukunftspakt Ehrenamt“ hatte er seinen Vortrag überschrieben. „Unsere Gesellschaft wird vom ehrenamtlichen Engagement getragen. Wir sorgen dafür, das ehrenamtliches Engagement Freude bereitet und mehr Anerkennung erfährt“, zitierte Holze aus dem Koalitionsvertrag der neuen Regierungspartner. Er teile allerdings die Skepsis in Bezug auf die Schwerpunktsetzung der Bundesregierung. Nicht nur die Zuordnung zum Ausschuss „Sport und Ehrenamt“ lasse eine Fokussierung auf das Ehrenamt im Sport befürchten. Im „Zukunftspakt Ehrenamt“ sei mit der Erhöhung der Übungsleiterpauschale und der ausdrücklichen Förderung von Fortbildungen für Übungsleiter und Trainer diese Abkehr von der Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements auch abzulesen.

Einen inhaltlichen und emotionalen Schlusspunkt setzte Sonja BeuchseniorTrainerin aus Rostock, mit ihrem Bericht über ihre zwei Ehrenamtsprojekte „Wohnen für Hilfe“ und Silver-Surfer“. Das Konzept des ersten Projektes sei ganz einfach: Ältere Menschen, die ein freies Zimmer haben, können es an junge Leute vergeben, meist Studierende oder Auszubildende. Anstatt Miete zu zahlen, helfen die jungen Menschen im Alltag – beim Einkaufen, im Haushalt, im Garten oder einfach, indem sie Gesellschaft leisten. Ziel bei den Silver-Surfern sei es, älteren Menschen den Umgang mit Smartphone, Laptop oder Tablett näherzubringen. 
Sonja Beuchs Fazit: „Ehrenamt bereichert das Leben!“ Es mache glücklich und stolz, dazuzugehören und „dass man mit kleinen Dingen Großes bewegen kann!“ Und damit sprach sie wohl allen Anwesenden aus dem Herzen.

Von admin

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